25 unbequeme Zitate von Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche trat als radikaler Denker hervor, der mit seinen Schriften traditionelle Auffassungen von Philosophie, Religion, Politik und Moral nachhaltig erschütterte. Die folgenden Zitate machen deutlich, warum er als unbequemer Kritiker etablierter Weltbilder und moralischer Gewissheiten bekannt wurde.


1.
Fast alles, was wir ‚höhere Kultur‘ nennen, beruht auf der Vergeistigung und Steigerung der Grausamkeit.
2.
Es ist nicht genug Liebe und Güte in der Welt, um noch davon an eingebildete Wesen wegschenken zu dürfen.
3.
Wahrheit will keine Götter neben sich. – Der Glaube an die Wahrheit beginnt mit dem Zweifel an allen bis dahin geglaubten ‘Wahrheiten.
4.
Das Bedürfnis gilt als die Ursache der Entstehung: in Wahrheit ist es oft nur eine Wirkung des Entstandenen.
5.
Ich weiß durchaus nicht, was ich tue! Ich weiß durchaus nicht, was ich tun soll!“ – Du hast recht, aber zweifle nicht daran: Du wirst getan! In jedem Augenblicke. Die Menschheit hat zu allen Zeiten das Aktivum und das Passivum verwechselt, es ist ihr ewiger grammatikalischer Schnitzer.
6.
So lange man dich lobt, glaube nur immer, dass du noch nicht auf deiner eigenen Bahn, sondern auf der eines Andern bist.
7.
Nachdem Buddha tot war, zeigte man noch Jahrhunderte lang seinen Schatten in einer Höhle – einen ungeheuren schauerlichen Schatten. Gott ist tot: Aber so, wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt. – Und wir – wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen!
8.
Ich habe allmählich fast alle meine menschlichen Beziehungen abgeschafft, aus Ekel darüber, daß man mich für etwas anderes nimmt, als ich bin. Jetzt sind Sie an der Reihe. […] Sie haben nie ein Wort von mir verstanden. – Brief an eine alte Freundin
9.
Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
10.
Leute, welche uns ihr volles Vertrauen schenken, glauben dadurch ein Recht auf das unsrige zu haben. Dies ist ein Fehlschluss; durch Geschenke erwirbt man keine Rechte.
11.
Der wahrhaft Freie im Geiste wird auch über den Geist selber frei denken und sich einiges Furchtbare in Hinsicht auf Quelle und Richtung desselben nicht verhehlen. Deshalb werden ihn die Andern vielleicht als den ärgsten Gegner der Freigeisterei bezeichnen und mit dem Schimpf- und Schreckwort „Pessimist des Intellectes“ belegen: gewohnt, wie sie sind, Jemanden nicht nach seiner hervorragenden Stärke und Tugend zu nennen, sondern nach dem, was ihnen am fremdesten an ihm ist.
12.
Alle guten Dinge sind starke Reizmittel zum Leben, selbst jedes gute Buch, das gegen das Leben geschrieben ist.
13.
Der Drang zur Gerechtigkeit ohne Urteilsvermögen hat den Menschen das größte Leid zugefügt.
14.
Das Bewusstsein ist die letzte und jüngste Entwicklung des Organischen und folglich auch die unvollendetste und schwächste dieser Entwicklungen. Unzählige Irrtümer entspringen dem Bewusstsein, die, wie Homer sagt, „trotz des Schicksals“ ein Tier oder einen Menschen früher zugrunde richten, als nötig wäre. Wäre das erhaltende Band der Instinkte nicht wesentlich stärker, würde es im Allgemeinen nicht als Regulator dienen: Durch verkehrtes Urteilen und Träumen mit offenen Augen, durch Oberflächlichkeit und Leichtgläubigkeit, kurzum, allein durch das Bewusstsein, wäre die Menschheit zwangsläufig zugrunde gegangen; oder vielmehr: Ohne Ersteres gäbe es vom Letzteren längst nichts mehr.
15.
Hätte uns das Denken nicht den größten Schwindel aller Zeiten vorgeführt?
16.
An niemandem festzuhalten, sei er auch noch der Liebste – jeder Mensch ist Gefängnis und zugleich Abgrund.
17.
Die Bestie in uns will belogen werden; Moral ist Notlüge, damit wir von ihr nicht zerrissen werden.
18.
„An die in der Philosophie Desillusionierten: Wenn ihr bisher an den höchsten Wert des Lebens geglaubt habt und nun desillusioniert seid, müsst ihr euch dann sofort des Lebens zum niedrigstmöglichen Preis entledigen?
19.
Sich seiner Unmoral zu schämen, ist eine Stufe auf der Leiter, an deren Ende man sich auch seiner Moral schämt.
20.
Ein Idealist ist unverbesserlich: wirft man ihn aus seinem Himmel, so macht er sich aus der Hölle ein Ideal zurecht.
21.
Dieser „Überbringer froher Botschaft“ starb, wie er gelebt und gelehrt hatte – nicht um die Menschheit zu erlösen, sondern um zu zeigen, wie man leben sollte. Sein Vermächtnis an die Menschheit ist sein Lebenswerk: sein Verhalten vor den Richtern, vor den Wachen, vor den Anklägern und jeder Art von Verleumdung und Spott – sein Verhalten am Kreuz. Er verteidigte seine Rechte nicht, er unternahm nichts, um das Schlimmste abzuwenden, was ihm widerfahren konnte – mehr noch, er provozierte es. Und er flehte, er litt, er liebte mit denen, in denen, die ihm Böses antaten. Seine Worte an den Dieb am Kreuz neben ihm enthalten das ganze Evangelium. „Das war wahrlich ein göttlicher Mensch, ein Kind Gottes“, sagte der Dieb. „Wenn du das fühlst“, antwortete der Erlöser, „dann bist du im Paradies, du bist ein Kind Gottes.“ Nicht um sich zu verteidigen, nicht um zornig zu werden, nicht um jemanden verantwortlich zu machen … Sondern nicht um selbst dem bösen Menschen zu widerstehen, um ihn zu lieben.
22.
Das Problem, das ich daher aufwerfe, ist nicht, was der Menschheit in der Reihe der Lebewesen folgen soll (der Mensch ist ein Zweck), sondern welcher Menschentypus gezüchtet, gewollt werden soll, weil er wertvoller, lebenswürdiger und seiner Zukunft sicherer ist. Auch in der Vergangenheit ist dieser höhere Typus oft erschienen – aber als glücklicher Zufall, als Ausnahme, nie als etwas Gewolltes. Tatsächlich war dies der am meisten gefürchtete Typus – beinahe der schrecklichste –, und aus dieser Furcht wurde der gegenteilige Typus gewollt, gezüchtet und erreicht: das Haustier, das Herdentier, das kranke menschliche Tier – der Christ.
23.
Der einzige Christ ist am Kreuz gestorben.
24.
Also kein Mensch verantwortlich? Und Alles voll Schuld und Schuldgefühl? Aber irgendwer muss doch der Sünder sein: ist es unmöglich und nicht mehr erlaubt, den Einzelnen, die arme Welle im notwendigen Wellenspiele des Werdens, anzuklagen und zu richten, — nun denn: […] — Dieses auf den Kopf gestellte Christentum […] Der Irrtum steckt nicht nur im Gefühle „ich bin verantwortlich“, sondern eben so in jenem Gegensatze „ich bin es nicht, aber irgendwer muss es doch sein.“ — Dies ist eben nicht wahr: der Philosoph hat also zu sagen, wie Christus, „richtet nicht!“ und der letzte Unterschied zwischen den philosophischen Köpfen und den andern wäre der, dass die ersten gerecht sein wollen, die andern Richter sein wollen.
25.
Man muss es in den Kauf nehmen, wenn einem Volke, das am nationalen Nervenfieber und politischen Ehrgeize leidet, leiden will –, mancherlei Wolken und Störungen über den Geist ziehn, kurz, kleine Anfälle von Verdummung: zum Beispiel bei den Deutschen von Heute bald die antifranzösische Dummheit, bald die antijüdische, bald die antipolnische, bald die christlich-romantische, bald die Wagnerianische, bald die teutonische, bald die preußische […], und wie sie Alle heißen mögen, diese kleinen Benebelungen des deutschen Geistes und Gewissens. Möge man mir verzeihn, dass auch ich, bei einem kurzen gewagten Aufenthalt auf sehr infiziertem Gebiete, nicht völlig von der Krankheit verschont blieb und mir, wie alle Welt, bereits Gedanken über Dinge zu machen anfing, die mich nichts angehn: erstes Zeichen der politischen Infektion. Zum Beispiel über die Juden: man höre.
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